Zentrifugal - RAF - Der Baader - Meinhof - Komplex PDF Drucken E-Mail
Wissen - Gesellschaft & Soziales
Geschrieben von: Marc Kummer   
Sonntag, den 28. September 2008 um 10:07 Uhr

In den deutschen Kinos ist der Film "der Baader Meinhof Komplex" angelaufen. TV Shows & Zeitungen streiten sich über die Inhalte. SInd sie "klar" rübergebracht? Sind sie zu romatisiert? Wird mit dem Thema RAF endlich aufgeräumt, so wie Uli Edel und Bernd Eichinger vorhatten?. Zentrifugal Moderator Marc ' Filhote ' Kummer hat sich den Film angeschaut und wird erklären was aus seiner Sicht durch den Film entsehen kann.

Was war die RAF? Heuteige Jugendliche wissen kaum etwas über den "deutschen Herbst". Im Bewusstsein sind nur noch "irgendwelche Terroristen". Wer war das und was wollten sie? Was hat die RAF mit der heutigen Zeit zu tun? Was war die "Bewegung 2. Juni" und... wieso 2. Juni?

 

Hören Sie Zentrifugal am 28.09.2008 von 12 - 14 Uhr

 

Chronologische Eckdaten:
Die 60er Jahre:
Die Befreiungs- und Unabhängigkeitskämpfe in verschiedenen
Ländern und der Kampf gegen den Kolonialismus beeinflussen
die Entstehung der Neuen Linken in der BRD
und bilden auch den Background vieler Diskussionen der
Linken in Westeuropa. In den USA, Frankreich und der
BRD entstehen Anti-Vietnamkriegsbewegung und der StudentInnenbewegungen
unter starker Bezugnahme auf die
»Frankfurter Schule« (Markuse, Horkheimer), die Beatniks
und den französichen Existenzialismus (Satre u.a.). In den
USA entsteht zudem die »Hippie-Bewegung« (Blumenkinder).
Zunächst ohne politischen Anspruch haben die AussteigerInnen
aus den gesellschaftlichen Zwängen eine große
kulturelle Bedeutung. Unter dem Eindruck starker Repression
politisiert sich die Bewegung in den USA.
In der BRD entsteht dem vergleichbar die »Gammler-
Bewegung«. Eine Menge Leute steigen aus Schule, Lehre,
Lohnarbeit, den Zwängen des Elternhauses und dem gesellschaftlichen
Mief aus. Sie leben auf der Straße oder sind auf
Trebe, Trampen durch ferne Länder und entwickeln neue
Ziele und Träume des Zusammenlebens. Später löst sich die
Bewegung wieder auf und zerfällt in die Landkommune-Bewegung,
den Hippietrail nach Indien, Reangepaßtheit nach
einer Jugendsünde und Wiederaufnahme des abgebrochenen
Studiums. Einige jedoch fangen an, sich stärker politisch
zu organisieren.
Anfang bis Mitte der 60er Jahre entsteht in den USA auch
eine starke Schwarzen-Bewegung gegen die rassistische Diskriminierung.
Es kommt zu schweren Auseinandersetzungen,
insbesondere zu Revolten der schwarzen Jugendlichen in den Ghettos: 1961 Alabama, 1964 Harlem, 1965 Watts
(Los Angeles), 1966 Chicago, 1967 Newark und Detroit.
1968 gibt es in vielen amerikanischen Städten Aufstände.
1966 gründen Huey Newton und Bobby Seale die
»Black Panther Party for Self-Defense«. Als Antwort auf die
erfolglose Bürgerrechtsbewegung, kommt es zum ersten offenen
Bruch mit dem Prinzip der Gewaltfreiheit. In Oakland
beginnen die Black Panther mit bewaffneten Patrouillen
zum Schutz der schwarzen Bevölkerung vor Polizeiterror;
darüberhinaus organisieren sie soziale Maßnahmen wie
Kinderspeisung, Schulen, medizinische Versorgung.
In Uruguay gründen sich in den 60er Jahren die MLNTupamaros,
deren Stadtguerilla-Politik die Auseinandersetzung
in der sich entwickelnden militanten Linken in der
BRD beeinflußt.
Anfang der 60er Jahre entsenden die USA unter Präsident
John F. Kennedy Militärberater nach Südvietnam. Im
April 1962 pferchen US-Soldaten zum ersten Mal die südvietnamesische
Zivilbevölkerung in sogenannten »Strategischen
Dörfern« zusammen, um dem Vietcong die Basis zu
entziehen.
20. Dezember 1960: Gründung der Nationalen Befreiungsfront
(FNL, »Vietkong«) in Südvietnam.
15. April 1961: Invasion der USA auf Kuba. B-26 Bomber
fliegen am 15. April einen Angriff gegen die kubanische
Luftwaffe und vernichten diese. Am 16. April landen bei der
Playa Giron (Schweinebucht) 1500 von der CIA ausgebildete
und bewaffnete exilkubanische Söldner. Nach drei Tagen
sind die Invasoren von kubanischen Frauen und Männern
vernichtend geschlagen.
20. Juni 1962: In München finden die sog. Schwabinger
Krawalle statt: Jugendliche liefern sich mit der Polizei
Straßenschlachten.

 

14.–28. Oktober 1962: »Kuba-Krise«. Als amerikanische
Aufklärer sowjetische Anlagen zum Abschußrampenbau für
Mittelstreckenraketen auf Kuba entdecken, reagiert Kennedy
mit einer Wirtschaftsblockade (Seeblockade). Chruschtschow
(UDSSR) antwortet: »Wenn Ihr Kuba nehmt, nehmen
wir Berlin«. Die Konfrontation zwischen den USA und
der Sowjetunion führt dicht an den 3. Weltkrieg heran.
Juni 1963: US-Präsident John F. Kennedy ist zu Besuch in
Berlin. 300000 Menschen sind vor dem Rathaus Schöneberg
auf den Straßen und lauschen seinen Worten »Ich bin
ein Berliner!«. Es gibt eine der ersten Flugblattaktionen gegen
den Besuch von Kennedy und die Kriegspolitik der USA
in Vietnam.
22. November 1963: US-Präsident Kennedy wird ermordet.
1964: Che Guevara sagt zu nordamerikanischen StudentInnen,
die Kuba besuchen: »Ich beneide Euch. Ihr Nordamerikaner
könnt sehr glücklich sein. Ihr kämpft den wichtigsten
Kampf von allen – Ihr lebt im Herzen der Bestie.«
Dezember 1964: Die Berliner und die Münchner Sektion des
SDS verfassen gemeinsam ein Flugblatt zum Tschombé-Besuch
in Berlin. Tschombé ist seit dem 10.7.1964 Ministerpräsident
des Kongo, später Zaire. Nach der Ermordung
von Lumumba (am 12.2.1961) errichtete er eine Diktatur als
Handlanger der Nordamerikaner. Anläßlich des Besuches
von Tschombé kommt es zu Auseinandersetzungen mit der
Polizei. Anfang der antiautoritären Studenten- und Jugendbewegung
in Berlin.
21. Februar 1965: In Harlem (USA) wird Malcom X, Führer
der militanten Schwarzen-Bewegung, ermordet.
4. August 1965: 1000 Luftangriffe der USA auf Ziele in
Nordvietnam.
14. September 1965: Auf der Berliner Waldbühne findet das
Rolling Stones Konzert statt: 400000 DM Sachschaden. 25. Mai 1966: Kulturrevolution in der VR China. Die Ideen
Mao tse Tung’s bekommen in der theoretischen Auseinandersetzung
der Linken in der BRD einen sehr starken Einfluß.
»Bombardiert das Hauptquartier«, »Die alten Zöpfe
abschneiden«.
Ende Oktober 1966: Kongreß gegen die Notstandsgesetze
unter dem Motto: »Notstand der Demokratie«. Trotz einer
breiten Bewegung von Sozialdemokraten, Gewerkschaftlern
bis zur Oppositionellen der Neuen Linken, die mit Sternmärschen,
Demonstrationen und anderen Protestformen die
Notstandsgesetze zu verhindern versuchen, werden sie 1968
verabschiedet. Die BRD schafft sich ein Instrumentarium,
um sich für eine noch zu erwartende innenpolitische Auseinandersetzung
zu wappnen. Die Notstandsgesetze ermöglichen
den Einsatz von Polizei, BGS und Bundeswehr unter
Umgehung des Parlaments durch die Bundesregierung, sowie
die Einschränkung der Grundrechte im sog. »Notstandfall
«, weiterhin die Ausstattung der Geheimdienste mit exekutiven
Befugnissen, evtl. sogar Ausrufung des »Notstandes
« durch Lageberichte der Geheimdienste. In den später
hinzukommenden »Durchführungsbestimmungen« vom
21.11.1968 wird zudem die Zusammenarbeit der Geheimdienste
mit den Strafvollstreckungsbehörden, der Einsatz
der Sicherungsgruppe Bonn als bundesweite Ermittlungsorgane
für Staatsschutzdelikte, sowie die monatliche Beratung
des »Staatssekretär-Ausschusses für Sicherheitsfragen« präzisiert.
Herbst 1966: Wirtschaftskrise und »Große Koalition« von
CDU/CSU und SPD. Willy Brandt wird Außenminister.
Unternehmen, Gewerkschaften und Staat finden sich in einer
»Konzertierten Aktion« zusammen; hier werden die
Eckdaten der wirtschaftlichen Entwicklung gemeinsam ausgehandelt,
darunter auch »Lohnleitlinien«. Die große Koalition
ist jedoch nur auf kurze Zeit angelegt. Das Bündnis
der Sozialdemokraten mit den Konservativen vergrößert den Zustrom zur außerparlamentarischen Opposition. Um
diese Kräfte wieder integrieren zu können, was in der
Brandt-Ära ab 1969 gelingt, muß sich die SPD wieder von
der CDU/CSU lösen.
Dezember 1966: Rudi Dutschke ruft auf einer Versammlung
des SDS zur Gründung einer außerparlamentarischen Opposition
(APO) auf.
1967: Entstehung der Kommune-Bewegung.
5. April 1967: Das Puddingattentat der Kommune I auf USVizepräsident
Hubert Humphrey wird von der Berliner Polizei
vereitelt.
2. Juni 1967: Während einer Demonstration gegen den Besuch
des Schahs von Persien wird Benno Ohnesorg von Kriminalobermeister
Karl-Heinz Kurras »am Boden kniend«
erschossen.
25. Juni 1967: Cassius Clay, alias Muhammed Ali, wird wegen
Wehrdienstverweigerung zu 5 Jahren Knast verurteilt
und erhält Boxverbot.
9. Oktober 1967: Ernesto Che Guevara wird in Bolivien ermordet.
30. Januar 1968: Beginn der Tet-Offensive der FNL (Tet =
Vietnamesiches Neujahrsfest). Der »Vietcong« beginnt eine
Offensive gegen das südvietnamesiche Militärregime, die zu
einem großen Erfolg wird. Große Teile des Landes werden
unter Kontrolle der FNL gebracht.
17./18. Februar 1968: »Vietnam-Kongress«. An der TU in
Berlin findet der Internationale Vietnam-Kongress statt, der
Höhepunkt der Vietnam-Kampagne, an der sich zahlreiche
ausländische Delegationen beteiligen. Nach Aufhebung eines
vom Senat erlassenen Demonstrationsverbotes nehmen
über 12000 Menschen an der Abschlußdemonstration teil.21. Februar 1968: Das offizielle Berlin antwortet mit einer
von Senat, DGB und Springer-Konzern organisierten Gegenkundgebung.
Beamte und Angestellte im Öffentlichen
Dienst werden zur Teilnahme freigestellt. 80000 BerlinerInnen
demonstrieren gegen die Studentenbewegung unter
dem Motto »Berlin darf nicht Saigon werden«. In der von
den Springer-Zeitungen angeheizten Pogrom-Stimmung
kommt es mehrfach zu Ausschreitungen gegen StudentInnen,
Langhaarige, Jugendliche und Intellektuelle. Einige der
freigestellten LehrerInnen protestieren auf der Demonstration
gegen den Zwang zur Teilnahme und werden ebenfalls
angegriffen.
16. März 1968: Massaker von My-Lai (Südvietnam), alle 500
BewohnerInnen des Dorfes werden von Einheiten der USArmee
ermordet.
3. April 1968: Nach dem Massaker von My-Lai legen Andreas
Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst
Söhnlein zwei Brandsätze in ein Kaufhaus auf der Frankfurter
Zeil, um »gegen die Gleichgültigkeit der Gesellschaft
gegenüber den Morden in Vietnam zu protestieren«. Schon
einige Tage später werden die vier verhaftet. Für diese erste
guerillaähnliche Aktion werden sie zu drei Jahren Gefängnis
verurteilt.
4. April 1968: Ermordung von Martin Luther King
11. April 1968: Rudi Dutschke wird in West-Berlin von Josef
Bachmann, der rechtsradikalen Kreisen nahestand, durch eine
Kopfschuß lebensgefährlich verletzt. Unmittelbar nach
dem Attentat kommt es in der BRD und West-Berlin zu den
bisher größten und militantesten Demonstrationen (»Osterunruhen
«). Unter dem Motto »BILD hat mitgeschossen«
wird die Auslieferung der Springer-Presse verhindert
(Springer Blockade). Es kommt zu tagelangen Straßenschlachten
mit der Polizei. Beginn der »Enteignet Springer-
Kampagne«. Am 24. Dezember 1979 stirbt Rudi Dutschke
in Dänemark an den Spätfolgen des Attentates. 1. Mai 1968: Roter 1. Mai in Berlin. Unabhängig von den 1.
Mai-Veranstaltungen des DGB organisiert die APO – die
neue studentische und nichtstudentische Linke – eine eigene
Rote 1. Mai-Demonstration.
11. Mai 1968: 70000 Menschen demonstrieren in Bonn gegen
die Notstandsgesetze, die dann am 30. Mai 1968 von der
Großen Koalition verabschiedet werden.
Pariser Mai 1968: Ausgangspunkt der Unruhen ist die Besetzung
der Pariser Universitäten. Am 3. Mai 1968 wird in Paris
die Sorbonne von der Polizei geräumt, was zu einer
Straßenschlacht im Quartier Latin führt. Nach militanten
Kämpfen an den Universitäten solidarisieren sich Millionen
von ArbeiterInnen mit einem Generalstreik und gemeinsamen
Demonstrationen. Im Juni 1968 werden die Renaultwerke
bei Flins besetzt und am 11. Juni 1968 kommt es zum
Aufstand bei Peugeot-Montbéliard. Im Morgengraunen fällt
die CRS (Republikanische Kompanie für Sicherheit) in die
Fabrik von Peugeot-Monbéliard ein. Ein Arbeiter wird von
einem Polizisten erschossen und vier Kollegen werden
schwer verletzt. Daraufhin kommt es zu schweren Auseinandersetzungen,
in deren Verlauf 11 Polizisten der CRS getötet
werden.
Im besetzten Pariser Odeon-Theater wird permanent
über die Möglichkeit einer Kulturrevolution diskutiert.
Frankreichs Staatspräsident De Gaulle löst am 30. Mai
1968 als Reaktion auf den Pariser Mai das Parlament auf und
ordnet zum 10. Juni vorgezogene Neuwahlen an. Einige Tage
davor flüchtet er jedoch zu seinen Panzertruppen ins
Saarland und setzt diese in Marsch auf Paris. Daraufhin distanziert
sich die Kommunistische Partei Frankreichs (KPF)
von dem Aufstand und sorgt dafür, daß die ArbeiterInnen
wieder in die Betriebe gehen.
Der Pariser Mai ist starker Bezugspunkt für die Linke in
der BRD. Die studentische Linke diskutiert den Gang in die
Betriebe und den Aufbau von Betriebsgruppen, für viele ist jedoch, wie sich später zeigt, der selbstgewählte proletarische
Standpunkt aufgesetzt. Im Gegensatz zu ihnen steht bei
der proletarischen Jugendbewegung und den Hippies die
Arbeitsverweigerung an erster Stelle. Es entsteht aber auch
parallel dazu eine Lehrlings- und JungarbeiterInnenbewegung,
für die der Kampf um bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen
Ansatzpunkt ist.
Im September 1968 gründet sich in Frankreich die
»Gauche Prolétarienne« als selbstständige Organisation aus
der Mai-Bewegung.
September 1968: Auf der 23. Delegierten Konferenz des SDS
in Frankfurt interveniert der »Berliner Aktionsrat für die
Befreiung der Frau«. Seine Sprecherin Helke Sanders wirft
den antiautoritären SDS-Autoritäten vor, in der Organisation
würden Frauen genauso unterdrückt wie sonst in der Gesellschaft.
Als Hans Jürgen Krahl, der nächste Redner, auf
diesen Beitrag nicht eingeht, wird er von den Frauen mit
Tomaten beworfen. »Das Private ist Politisch!« Diese Initiative
ist einer der Auslöser für die Neue Frauenbewegung.
Überall in der BRD werden »Weiberräte« gegründet.
4. November 1968: »Die Schlacht am Tegeler Weg«. Nach
dem Attentat auf Rudi Dutschke beteiligt sich Rechtsanwalt
Horst Mahler an der Demonstration gegen den Springer-
Konzern. Am darauffolgenden Tag wird er in der BILDZeitung
beschuldigt, sie angeführt zu haben. Die Generalstaatsanwaltschaft
beantragt ein Berufsverbot für Horst
Mahler. Der Antrag wird vom Berliner Landgericht am Tegeler
Weg abgelehnt. Ca. 1000 DemonstratenInnen treffen
sich während der Verhandlung hinter dem Landgericht in
einer Seitenstraße und versuchen zum Tegeler Weg durchzubrechen.
Es ist eine Mischung aus StudentInnen, JungarbeiterInnen,
Jugendlichen und Rockern, was die BILD-Zeitung
in ihrer darauffolgenden Ausgabe wie folgt kommentiert:
»Über 300 Festnahmen – überraschend: nur jeder 3.
war Student!« In einer bis dato nicht gekannten organisier-ten Militanz gehen die DemonstrantInnen gegen die Einsatzkräfte
vor. Es ist die letzte Demonstration, bei der Einsatzkräfte
noch die alten Tschakos tragen. Danach wird in
Berlin eine neue Polizei-Einsatzgruppe mit Helmen eingesetzt.
Nach der Schlacht am Tegeler Weg gibt es vor allem
innerhalb des SDS heftige Diskussionen über Gewalt und
Gesellschaftsveränderung. Der SDS spaltet sich in den darauffolgenden
Auseinandersetzungen.
8. November 1968: Beate Klarsfeld ohrfeigt den damaligen
Bundeskanzler Kiesinger und ruft: »Faschist!«. Lübke (damaliger
Bundespräsident) und Kiesinger hatten bereits unter
den Nazis Karriere gemacht. Kiesingers Tätigkeit als Verbindungsmann
des Außenministeriums zum NS-Propagandaministerium
ist für Beate Klarsfeld Anlaß, die Tätigkeit
ehemaliger Nazis in hohen öffentlichen Ämtern in der BRD
zu thematisieren. Beate Klarsfeld wird noch am selben Tag
in einem Schnellgerichtsverfahren zu einem Jahr Haft verurteilt.
1969: Einhergehend mit der Auflösung des SDS bilden sich
in der BRD diverse kommunistische Parteien, die sogenannten
K-Gruppen. Bei Smoke-Ins im Tiergarten gründet sich
unter anderem als Antwort auf die vielen studentischen Parteigrüppchengründungen
der »Zentralrat der Umherschweifenden
Haschrebellen«.
24. Januar 1969: Nach StudentInnenunruhen in Spanien
verhängt Franco den Ausnahmezustand.
18. April 1969: Straßenschlachten in Derry in Nordirland.
Die IRA nimmt den bewaffneten Kampf wieder auf.
1. Juni 1969: Die Verkehrsbetriebe in Hannover erhöhen
die Fahrpreise. Daraufhin werden sie wochenlang bestreikt
und lahmgelegt. Es findet die erste Rote-Punkt-Aktion statt.
Durch das Ankleben eines roten Punktes an der Frontscheibe
ihres Pkws signalisieren FahrerInnen, daß sie bereit sind, Leute mitzunehmen. Es wird Rücknahme der Fahrpreiserhöhung
erreicht.
7. Juni 1969: Demonstration der JungarbeiterInnen- und
Lehrlingsbewegung in Köln unter dem Motto: »Selbstbestimmung
und Klassenkampf statt Mitbestimmung und Gewerkschaftskrampf!
«
27. Juni 1969: In einer Bar in der Christopher Street in New
York wehren sich Schwule militant gegen eine der üblichen
Razzien.
Juli/August 1969: Nachdem elf Bundeswehrdeserteure in
West-Berlin verhaftet und in die jeweiligen Bundesländer
der Bundesrepublik ausgeliefert werden, kommt es zu zahlreichen
Protestaktionen und heftigen Auseinandersetzungen
mit der Polizei.
2. September 1969: Beginn des legendäre Woodstock-Konzerts.
2. September 1969: »Septemberstreiks« im Ruhrgebiet.
Spontane Arbeitsniederlegungen durchbrechen die »Lohnleitlinien
«. Damit beginnt in der BRD eine Periode erhöhter
Streikaktivitäten, die bis 1974 andauert.
28. September 1969: Nach den Bundestagswahlen wird Willy
Brandt zum Bundeskanzler nominiert. Die Sozial-Liberale
Koalition ist damit geschaffen.
Herbst 1969: Gründung des »Sozialistischen Zentrums« in
West-Berlin.

Die 70er Jahre:
In der linksradikalen Szene wird verstärkt über revolutionäre
Gewalt und Organisationsformen diskutiert. Der »Blues«
entsteht. Die AktivistInnen des »Blues« finden sich in Westberlin
in alternativen Wohnprojekten, in Stadtteil-, Betriebs-,
und Kinderladengruppen, in Knastgruppen sowie in
militanten Straßenkämpfen zusammen. Die selbstorganisierte
Lehrlings- und SchülerInnenbewegung hat ihren
Höhepunkt erreicht und fängt an, sich politische Lebensräume
(z.B. Jugendzentren und Wohnkollektive) zu erkämpfen.
Vom 31.12.67–6.2.71 kommt es allein in West-Berlin zu
ca. 70 Brand-, Sprengstoff- und Knallkörperanschlägen von
kleinen militanten Gruppen (Tupamaros West-Berlin,
Haschrebellen, Schwarze Ratten, Schwarze Front) auf USamerikanische
Einrichtungen, die sich gegen den Vernichtungskrieg
der USA in Vietnam richten. Justizeinrichtungen,
Banken, Rathäuser, Bezirksämter und Konsulate sowie
die reaktionäre Presse sind ebenfalls Ziele der Anschläge.
Ein Teil dieser AktivistInnen schließt sich dann 1972 unter
dem Namen Bewegung 2. Juni zusammen.
1970: In Heidelberg wird von dem Assistenzarzt Dr. Wolfgang
Huber das Sozialistisches Patientenkollektiv (SPK) gegründet.
Das SPK ist eine Selbsthilfeorganisation und thematisiert
die krankmachende Gesellschaft, hat ca. 500 Mitglieder
und proklamiert »Aus der Krankheit eine Waffe machen«.
14. Mai 1970: Andreas Baader wird in Berlin bei einer »Ausführung
« in das UNI-Institut befreit. Andreas Baader und
Gudrun Ensslin arbeiteten in Frankfurt in einem Jugendprojekt;
um darüber eine Arbeit zu schreiben, bekommt
Andreas Baader die »Ausführung« in das Publizistische Institut.
Anläßlich seiner Befreiung veröffentlicht die RAF ihre
erste Erklärung »Die Rote Armee aufbauen«. 24. Juni 1970: Anfang der 70er Jahre löst sich der SDS auf.
Die »letzte« noch existierende Gruppe wird am 24.6.1970
nach schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei in
Heidelberg verboten.
7. August 1970: In den USA scheitert die Befreiung von George
Jackson. Sein Bruder Jonathan, zwei weitere Gefangene
sowie ein Richter sterben im Kugelhagel des FBI. Die
kommunistische Journalistin Angela Davis wird daraufhin
beschuldigt, die Waffen für diese Aktion geschmuggelt zu
haben. Eine jahrelange internationale Kampagne für ihre
Freilassung beginnt. George Jackson war mit 15 Jahren zum
ersten Mal im Jugendgefängnis und mit 18 wegen angeblichen
Raubes von 760 Dollar zu einem Jahr bis lebenslänglich
verurteilt, wobei sein Entlassungstermin abhängig war
von der Entscheidung einer Kommission über seine »gute
Führung«. In der Haft beginnt er sich vor allem für den
schwarzen Befreiungskampf zu engagieren, gründet mit anderen
schwarzen Gefangenen die »Soledad Brothers« und
wird später Mitglied der Black Panther Party. Jackson ist
wichtiges Bindeglied zwischen der afroamerikanischen, der
hispanischen und der weißen Gefangenenbewegung.
26. August 1970: Im Zusammenhang mit den bevorstehenden
Massenentlassungen bei Linnhof (Maschinenbau) in der
Silbersteinstraße/Berlin, verübt die »Schwarze-Front Tupamaros
« einen Sprengstoffanschlag auf das Haus des Direktors
und auf dessen PKW.
September 1970: Zeitgleich werden in Berlin drei Banken in
einer gemeinsamen Aktion der RAF und des »Blues« überfallen.
Das erbeutete Geld wird umverteilt und für Waffen,
Logistik und die in der Illegalität lebenden GenossenInnen
verwendet.
18. Oktober 1970: In einer Wohnung in der Berliner Knesebeckstraße
werden Brigitte Asdonk, Monika Berberich, Irene
Georgens, Horst Mahler und Ingrid Schubert verhaftet. 1971: Die Knastrevolte von Attica (USA), hauptsächlich getragen
von afroamerikanischen und puertoricanischen Gefangenen,
wird nach vier Tagen blutig niedergeschlagen; 32
Gefangene werden getötet, über 300 schwer verletzt – viele
durch Schüsse in den Rücken.
1. Mai 1971: In der Hasenheide werden bei einem Smoke-In
die »Yippies Westberlin« gegründet. Ein Teil geht später zur
Bewegung 2. Juni. Yippies kommt von »Youth International
Party«, dem politischer Ableger der Hippie-Bewegung in
den USA. Es finden zahlreiche Aktionen und Kampagnen
vor allem gegen den Vietnam-Krieg statt.
15. Juli 1971: Bei der bislang größten Fahndung in der
BRD, der »Aktion Kobra«, bei der über 3000 Polizisten im
Einsatz sind, wird in Hamburg die 20-jährige Petra Schelm
von einem Polizisten erschossen. Sie ist das erste Todesopfer
der Terroristenfahnder. Der Schütze reklamiert erfolgreich
»Notwehr«.
Juli 1971: Nach 14 Monaten Untersuchungshaft beginnt
1971 der Prozeß gegen Georg von Rauch, Bommi Baumann
und Thomas Weißbecker. Die drei werden wegen »Nötigung,
Körperverletzung und versuchten schweren Raubes«
angeklagt, weil sie einen Quick-Reporter verprügelt hatten.
Nach Bekanntgabe der Haftverschonung für Bommi Baumann
und Thomas Weißbecker kommt es im Gerichtssaal
zu einem »Verwechslungs-go-out«. Anstelle des »haftverschonten
« Thomas Weißbecker verläßt Georg von Rauch
den Gerichtssaal. Als festgestellt wird, daß eine Verwechslung
vorlag, wird auch Thomas Weißbecker sofort freigelassen.
Er wird am darauffolgenden Tag wegen Gefangenenbefreiung
zur Fahndung ausgeschrieben. Georg von Rauch
lebt fortan im Untergrund.
15. August 1971: Im Kino Arsenal treffen sich anläßlich des
Filmes von Rosa von Praunheim »Nicht der Homosexuelle
ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt« etwa 40 schwule Männer und Frauen. Es entsteht die HAW (Homosexuelle
Aktion West-Berlin). Kurze Zeit später entsteht
innerhalb der HAW eine Frauengruppe, die sich als »schwule
Emanzipationsgruppe innerhalb der Frauenbewegung«
versteht. Als selbständige Organisation solidarisieren sie sich
mit anderen Frauengruppen und arbeiten punktuell mit den
HAW-Männern zusammen.
21. August 1971: George Jackson wird im Gefängnis San
Quentin ermordet.
4. Dezember 1971: Georg von Rauch wird in der Eisenacher
Straße in Berlin-Schöneberg von einem Kriminalbeamten
durch einen Kopfschuß auf offener Straße erschossen. Zwei
Tage danach kommt es zur Besetzung des nach ihm benannten
»Georg von Rauch-Hauses« in Kreuzberg.
1972: Nach Aufständen und Massenfluchten aus Erziehungsheimen
gibt der Berliner Senat eine öffentliche Bankrotterklärung
zur Jugendpolitik ab. Es sollen viele Jugendeinrichtungen
(Heime, Treffpunkte, Zentren) geschlossen
werden, die daraufhin aber von den Jugendlichen besetzt
und selbstverwaltet werden. Am 25. Februar 1972 wird in
der Belzigerstraße in Berlin-Schöneberg ein ehemaliges
städtisches Jugendzentrum von ca. 200 Jugendlichen besetzt.
Das SJSZ (Sozialistische Jungarbeiter- und Schülerzentrum)
ist das erste selbstverwaltete Jugendzentrum und
das einzige, dem es gelingt, die Selbstverwaltung gegenüber
dem Senat vertraglich abzusichern. Weitere Besetzungen
folgen. (Ende 1972 Besetzung eines Senats-Jugendheimes in
Schöneberg in der Potsdamer Straße. Dort entsteht das spätere
»drugstore«. 1973 Besetzung eines leerstehenden
Wohnhauses, in dem das selbstorganisierte Jugendzentrum
»Putte« entsteht. 1973 Gründung des Wohnkollektivs
»Thomas Weißbecker Haus« in der Wilhelmstraße).
Januar 1972: Zum Jahreswechsel findet ein erstes Treffen
verschiedener militanter Gruppen (Tupamaros Westberlin, Haschrebellen, Rote Ruhr Armee u.a.) statt. Sie diskutieren
und organisieren den darauffolgenden Zusammenschluß unter
dem Namen »Bewegung 2. Juni«.
28. Januar 1972: Die Innenministerkonferenz unter dem
Vorsitz des Bundeskanzlers Brandt beschließt den »Radikalenerlaß
«. Im öffentlichen Dienst werden Gesinnungsprüfungen
durchgeführt. Die BewerberInnen und Angestellten
werden durch den Verfassungsschutz überprüft und linksverdächtige
KandidatInnen abgelehnt. Als Verdacht genügt
z.B. Leben in einer Wohngemeinschaft, Mitgliedschaft in
der DKP oder Teilnahme an einer linken Demonstration.
Der »Radikalenerlaß« ist die Antwort auf den von der Studentenbewegung
propagierten »Marsch durch die Institutionen
«.
30. Januar 1972: »Bloody Sunday«. Im nordirischen Derry
feuern britische Soldaten auf eine Bürgerrechtsdemonstration;
dabei gibt es 13 Tote.
2. Februar 1972: Die Bewegung 2. Juni verübt einen Sprengstoffanschlag
auf den britischen Yachtclub und zwei PKWs
der in Berlin stationierten Alliierten Streitkräfte. Die Aktionen
stehen im Zusammenhang mit dem »Bloody Sunday« in
Derry. Der als Hausmeister tätige Bootsbauer Erwin Beelitz
findet im Britischen Yachtclub in Berlin-Gatow eine der abgelegten
Bomben und nimmt sie an sich. Als er sie in einen
Schraubstock spannt und mit Hammer und Meißel bearbeitet,
explodiert sie.
2. März 1972: Thomas Weißbecker, der wegen Brandstiftung
und Körperverletzung gesucht wird, wird in Augsburg
von einem Sonderkommando des bayrischen Landeskriminalamtes
erschossen. Der Todesschütze wird später freigesprochen,
weil er angeblich in »Notwehr« handelte.
3. März 1972: Nach der Erschießung von Thomas Weißbecker
verübt die Bewegung 2. Juni einen Sprengstoffan- schlag auf das Landeskriminalamt Berlin. Auf ihrem kurzen
Flugblatt »Jetzt reicht’s!« beziehen sie sich mit dieser Aktion
auch auf die Ermordeten Petra Schelm und Georg von
Rauch.
April 1972: Nach der Ausrufung des »Inneren Notstandes«
durch das Militärregime in Uruguay werden die dort inhaftierten
Kader der MLN-Tupamaros als Geiseln gehalten.
Ende 1972 sind die Tupamaros weitgehend zerschlagen.
Mai 1972: Im Zuge der Eskalation des Krieges gegen Nordvietnam
verhängt US-Präsident Nixon eine Seeblockade
und ordnet die Verminung der nordvietnamesischen Häfen
an; gleichzeitig finden die Pariser Verhandlungen statt. Es
kommt zu weltweiten Protesten. In der BRD gehen rund
100000 Menschen auf die Straße.
5. Mai 1972: Aus Protest gegen die Justiz verübt die Bewegung
2. Juni einen Brandanschlag auf die juristische Fakultät.
Diese Aktion bezog sich vor allem auf die Tatsache, daß
die Verfahren gegen Polizeibeamte, die »Todesschützen der
Terroristenfahnder«, eingestellt werden.
7. Mai 1972: Inge Viett von der Bewegung 2. Juni wird zusammen
mit Ulrich Schmücker in Bad Neuenahr verhaftet.
19. Mai 1972: Im Axel-Springer-Verlag Hamburg explodieren
zwei Bomben. Dabei werden 17 ArbeiterInnen verletzt.
Das RAF-Kommando »2. Juni« übernimmt die Verantwortung
für den Anschlag.
1. Juni 1972: Bei einer der größten Fahndungsaktionen gegen
die Stadtguerilla-Gruppen in der BRD und West-Berlin
werden Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe
in Frankfurt verhaftet, am 7. Juni 1972 wird Gudrun Ensslin
in Hamburg und am 15. Juni 1972 Ulrike Meinhof und Gerhard
Müller in Hannover festgenommen, nachdem sie von
einem Quartiergeber verraten wurden.
5. September 1972: Bei den Olympischen Spielen in München
nimmt die palästinensische Organisation »Schwarzer September« mehrere israelische Sportler als Geiseln und
fordert die Freilassung von 200 arabischen Häftlingen in Israel.
Auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck kommt es durch
den Einsatz der Polizei zu einem Blutbad. Der Hubschrauber,
in dem sich die Entführer und die Geiseln befinden,
wird von 1000 Schuß regelrecht durchsiebt. Alle neun israelischen
Geiseln und fünf Palästinenser des Kommandos sowie
ein Polizist kommen ums Leben. »Schwarzer September
« bezieht sich auf das Massaker, das die jordanische Armee
1970 an den in Jordanien lebenden PalästinenserInnen
anrichtete.
17. Januar bis 12. Februar 1973: Im ersten Hungerstreik der
RAF fordern 40 Gefangene Normalvollzug und Gleichbehandlung
sowie die Verlegung von Ulrike Meinhof aus dem
Toten Trakt in Köln-Ossendorf.
25. Januar 1973: Unter dem Titel »Die Verbrechen der lesbischen
Frauen« erschien mehrere Wochen lang eine Artikelserie
in der BILD-Zeitung. Die Frauengruppe der HAW
(Homosexuelle Aktion West-Berlin) und andere organisieren
Protestaktionen dagegen.
Februar bis Oktober 1973: Bundesweit finden wilde Streiks
von mehreren tausend ArbeiterInnen in der Auto- und Stahlindustrie
statt. In einigen Betrieben werden die Streiks in
einer konzertierten Aktion von Polizei und Werkschutz niedergeschlagen.
Der Fordstreik in Köln im August 1973 wird
zum großen Teil von ausländischen Vertragsarbeitern getragen.
Es kommt dort zum Konflikt zwischen türkischen und
westdeutschen Arbeitern. Schlägertrupps, Provokateure und
deutsche Arbeiter (obwohl diese nicht zur tatsächlichen Belegschaft
gehören) werden als Streikbrecher aktiv. Flankiert
wird dies von der BILD-Zeitungsschlagzeilen: »Deutsche
Arbeiter erkämpfen ihre Fabriken zurück«. Bei einem Streik
in dem Betrieb »Pierburg/Autogerätebau« in Neuss solidarisieren
sich hingegen deutsche Arbeiter mit ihren ausländischen
Kollegen, die die Arbeit niedergelegt hatten. März 1973: Eskalation im Frankfurter Häuserkampf. Nach
der Räumung eines besetzten Hauses kommt es zu militanten
Demonstrationen mit bis zu 5000 TeilnehmerInnen.
23. Mai 1973: In Hamburg wird das besetzte Haus in der
Eckhoffstraße durch ein Mobiles Einsatzkommando (MEK)
geräumt.
August 1973: Inge Viett bricht aus der Frauenhaftanstalt
Lehrter Straße aus.
11. September 1973: Militärputsch in Chile unter General Pinochet
gegen die demokratisch gewählte Regierung Salvador
Allendes. Maßgeblich beteiligt sind neben dem CIA das
Unternehmen ITT. Auslösende Gründe sind neben der Nationalisierung
der Schwerindustrie (Kupferbergbau) die
Agrarreform sowie der unter der Allende-Regierung erfolgte
Aufbau neuer sozialer Strukturen (poder popular). Der
MIR (Movimiento de la Izquierda Revolucionaria – Bewegung
der revolutionären Linken), eine unter Allende legale
linksradikale Organisation, die sich u.a. an Landbesetzungen
beteiligte um den Umstrukturierungsprozeß zu beschleunigen,
wird nach dem Militärputsch illegalisiert. Zehntausende
Linke werden von den Militärs verhaftet und zum Teil in
Fußballstadien gefangen gehalten. Tausende werden gefoltert
und ermordet.
November 1973: In Frankfurt/Main wird der »Gefangenenrat
« gegründet, um die Forderungen der Gefangenen in die
Öffentlichkeit zu bringen.
11. November 1973: Till Meyer (Bewegung 2. Juni) flüchtet
aus dem offenen Vollzug in Castrop Rauxel.
17./18. November 1973: Erste Anschläge der Revolutionären
Zellen. Ziel sind die Niederlassungen der Firma ITT, die
mitverantwortlich für den Putsch in Chile ist.
20. Dezember 1973: Die ETA (Euskadi Ta Askatasuna – Baskenland
und seine Feiheit), verübt einen Anschlag auf Car- rero Blanco, rechte Hand des spanischen Diktators Franco.
Die Explosion ist so gewaltig, daß der Personenwagen Carrero
Blancos mehrer Stockwerke hoch geschleudert wird,
was Blanco nicht überlebt.
1974: Es entstehen die ersten Gesundheitsläden. Die KPDML
versucht mit einer Gesundheitskampagne und einem
Volksbegehren die Wiedereinrichtung des ehemaligen Bethanienkrankenhauses
als Poliklinik durchzusetzen. Daraufhin
wird die Möglichkeit des Volksentscheides abgeschafft.
Sommer 1974: Dem Berliner Senat gerät das politische Engagement
der Lehrlings-, SchülerInnen-, und Jungendzentren
außer Kontrolle. In einer groß angelegten Aktion wird
gegen die Jugendzentren und Wohnkollektive vorgegangen,
z.B. durch Vertragskündigung und Räumung der »Putte«
oder Vertragskündigung und versuchte Räumung des SJSZ.
24. April 1974: In Portugal findet ein Putsch linker Militärs
gegen die seit 1926 andauernde Diktatur statt (»Revolution
der Nelken«). Damit enden auch die Kolonialkriege Portugals
gegen Angola, Mozambique und Guinea-Bissau.
4. Juni 1974: Der Verfassungsschutzagent Ulrich Schmükker
wird im Berliner Grunewald von einem »Kommando
Schwarzer Juni« erschossen. Schmücker diente sich, nach
seiner Festnahme am 7. Mai 1972, dem Verfassungsschutz
an und wurde nach einigen Monaten aus der Haft entlassen.
Er arbeitete fortan als Agent Provocateur für den Berliner
Verfassungsschutz.
23. Juli 1974: Ende der Militärjunta in Griechenland.
13. September 1974 bis 5. Februar 1975: Gefangene der RAF,
der Bewegung 2. Juni und andere treten in einen Hungerstreik
mit den Forderungen: Normalvollzug, Gleichstellung
aller Gefangenen, gegen Sonderhaftbedingungen. Es entsteht
eine Diskussion zur »Magna Charta«, die die Grundlage
für eine gemeinsame Plattform aller Gefangenen bilden soll, d.h.: »Für alle Internierten in Gefängnissen, Psychiatrischen
Anstalten, Fürsorge- und Erziehungsheimen«.
9. November 1974: Holger Meins stirbt nach neun Wochen
Hungerstreik. An den Tagen danach kommt es neben einigen
Brandanschlägen in vielen Städten Westdeutschlands
und in Berlin zu über 50 Demonstrationen und zum Teil
schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei.
10. November 1974: Berlins Kammergerichtspräsident Günter
von Drenkmann wird von einem Kommando der Bewegung
2. Juni bei einer versuchten Entführungsaktion erschossen.
Eine Woche später veranstaltet der Westberliner
Senat eine Trauer- und Protestkundgebung zur Beerdigung
Drenkmanns. Für diese Kundgebung werden die Beschäftigten
des öffentlichen Dienstes sowie vieler privater
Großunternehmen (z.B. Siemens) beurlaubt. Dennoch erscheinen
lediglich 10000 TeilnehmerInnen.
11. November 1974: An einer Großdemonstration zur Unterstützung
der Hungerstreikenden und aus Protest gegen die
»Ermordung« von Holger Meins beteiligen sich in Berlin
über 15000 Menschen.
Anfang Dezember 1974: Bei der bundesweiten Fahndungsaktion
»Aktion Winterreise« werden zahlreiche Wohnungen
und Büros durchsucht, zehn Personen verhaftet und 56 vorläufig
festgenommen.
23. Februar 1975: Räumung des von 20000 Menschen besetzten
Baugeländes für das AKW in Whyl. Massiver Polizeieinsatz,
viele Verhaftungen und Strafverfahren.
27. Februar 1975–5. März 1975: Mitten im Berliner Wahlkampf
wird der Landesvorsitzende der CDU, Peter Lorenz,
von der Bewegung 2. Juni entführt. Die Behörden gehen auf
den geforderten Austausch ein. Pfarrer Heinrich Albertz begleitet
die Gefangenen Verena Becker, Rolf Heißler, Gabriele
Kröcher-Tiedemann, Rolf Pohle und Ingrid Siepmann in den Südjemen. Peter Lorenz wird auf das Losungswort
»So ein Tag, so wunderschön wie heute!« freigelassen.
2. März 1975: Wahlen in Westberlin. Die CDU gewinnt
und Peter Lorenz wird Regierender Oberbürgermeister von
Westberlin.
4. März 1975: Zehn Tage nach Ablehnung der Fristenlösung
bei Schwangerschaftsabbruch durch das Bundesverfassungsgericht
verübt die Rote Zora einen Anschlag auf das Gericht
in Karlsruhe. In Bonn findet eine der größten Demonstrationen
gegen den § 218 statt.
24. April 1975: Das RAF-Kommando »Holger Meins« besetzt
die deutsche Botschaft in Stockholm und nimmt zwölf
Geiseln. Sie verlangen die Freilassung von 26 politischen
Gefangenen. Die Bundesregierung geht jedoch nicht auf die
Forderungen ein. Aus nie ganz geklärten Gründen explodiert
kurz nach Mitternacht im Botschaftsgebäude eine
Bombe. Dabei sterben der Militärattaché Andreas von Mirbach,
der Botschaftsrat Heinz Hillegart und Ulrich Wessel
vom RAF-Kommando. Ein weiteres Kommando-Mitglied,
Siegfried Hausner, stirbt nach seiner Auslieferung an die
BRD aufgrund seiner schweren Verletzungen.
28. April 1975: Gerald Klöpper und Ronald Fritzsch von der
Bewegung 2. Juni werden in einer Garage in Berlin-Tegel
festgenommen. 30. April 1975: Eroberung Saigons durch den Vietcong.
9. Mai 1975: Bei einem Schußwechsel auf einem Parkplatz
in Köln werden Werner Sauber von der Bewegung 2. Juni
und ein Polizist erschossen. Karl Heinz Roth wird schwer
verletzt und zusammen mit Roland Otto festgenommen.
21. Mai 1975: In Stuttgart-Stammheim beginnt der Prozeß
gegen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof
und Jan-Carl Raspe.
6. Juni 1975: Till Meyer wird bei seiner Festnahme im UBahnhof
Yorkstraße in Berlin angeschossen.
Juli 1975: Flugblätter der Revolutionären Zellen und
120 000 gefälschte Sammelfahrscheine der BVG im Wert
von 360000 DM werden durch eine organisierte Verteilerstruktur
unter die Leute gebracht. Fahrpreisautomaten werden
lahmgelegt und Schwarzfahrertips verteilt.
30. Juli und 31. Juli 1975: Bei zwei Banküberfälle werden
100000 DM von der Bewegung 2. Juni umverteilt und die
Kunden und Angestellten mit Schokoküssen getröstet.
9. September 1975: Ralf Reinders, Inge Viett und Juliane
Plambeck werden in einer Ladenwohnung in Berlin-Steglitz
verhaftet, wenige Tage später auch Fritz Teufel und Gabriele
Rollnik.
12. November 1975: Waltraud Siepert und Christiane Doemeland
werden verhaftet.
16./24. Dezember 1975: Bundesweite Aktion gegen politische
Buchläden, Verlage, Druckereien und Wohngemeinschaften.
Die ganze Aktion wird noch mit dem § 131 (Verherrlichung
von Gewalt) legitimiert, bietet jedoch eine Vorschau
auf das folgende »Maulkorbgesetz« § 130a (Anleitung
zu Straftaten) und den »Staatsschutzparagraphen« § 88a
(Verfassungsfeindliche Befürwortung von Straftaten). 21. Dezember 1975: Die OPEC-Konferenz in Wien wird von
einem palästinensischen Kommando besetzt. Rund 70 Konferenzteilnehmer
werden als Geiseln genommen. Dabei
kommen ein österreichischer Kriminalbeamter, ein irakischer
Sicherheitsbeamter und ein OPEC-Angestellter ums
Leben. Das Kommando erzwingt die Ausreise mit den
OPEC-Ministern.
24. Dezember 1975: Inge Viett versucht sich abermals aus
dem Knast zu sägen und wird zu früh entdeckt.
16. Januar 1976: Der Bundestag verabschiedet das 14. Strafrechtsänderungsgesetz,
das am 1.5.1976 in Kraft tritt. Es
führt die §§ 88a und 130a ein, die die Verbreitung oder auch
nur den Besitz von Schriften, die »Gewalt befürworten« unter
eine Gefängnisstrafe von bis zu 3 Jahren stellen.
26. März 1976: In Berlin werden Eberhard Dreher und
Andreas Vogel wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in
der Bewegung 2. Juni verhaftet.
9. Mai 1976: Ulrike Meinhof wird in ihrer Zelle erhängt aufgefunden.
In den fünfziger und sechziger Jahren war sie
Sprecherin der »Bewegung gegen den Atomtod«, Mitglied
der illegalen KPD und Kolumnistin der Zeitschrift »Konkret
«. Am 4.5.1970 war sie an der Befreiung von Andreas
Baader beteiligt. Sie wurde am 15.6.1972 festgenommen
und am 29.11.1974 zu 8 Jahren Haft verurteilt.
16. Juni 1976: In Südafrika beginnt der mehrwöchige Aufstand
schwarzer SchülerInnen gegen die Einführung von
Afrikaans als Unterrichtssprache. Die Sicherheitskräfte
eröffnen das Feuer gegen die DemonstrantInnen. Mindestens
350 SchülerInnen kommen ums Leben, über 200 werden
verletzt. Der Widerstand in Soweto wird zum Symbol
des Kampfes gegen das rassistische Apartheitsregime.
24. Juni 1976: Der Bundestag verabschiedet die ersten »Anti-
Terror-Gesetze«. Von nun an kann der Schriftverkehr zwischen den Gefangenen und ihren Anwälten überwacht
werden. Außerdem wird die sogenannte Mehrfachverteidigung
unterbunden. Mit dem § 129a wird der »Straftatbestand
der Bildung und/oder Mitgliedschaft in einer terroristischen
Vereinigung« geschaffen.
27. Juni 1976: Unter Beteiligung von Mitgliedern der Revolutionären
Zellen entführt ein palästinensisches Kommando
ein Air France Verkehrsflugzeug nach Entebbe in Uganda
und fordert die Freilassung von 53 in verschiedenen Ländern
einsitzenden politischen Gefangenen. Darunter auch
sechs in der BRD: Werner Hoppe, Jan-Carl Raspe, Ralf
Reinders, Ingrid Schubert, Fritz Teufel und Inge Viett. Unter
den über 250 Passagieren befinden sich rund 100 israelische
Staatsbürger oder Juden anderer Nationalität. Nachdem
die nicht-jüdischen Passagiere freigelassen wurden,
stürmt eine israelische Militäreinheit den Flughafen von
Entebbe, befreit die Geiseln und erschießt die Kommando-
Mitglieder, darunter auch Wilfried »Bony« Böse und Brigitte
Kuhlmann von den RZ.
7. Juli 1976: Vier Frauen (Monika Berberich, Inge Viett,
Gabriele Rollnik, Juliane Plambeck) der RAF und der Bewegung
2. Juni gelingt der Ausbruch aus der Frauenhaftanstalt
Lehrter Straße in West-Berlin.
30. Oktober 1976: Erste Bauplatzbesetzung in Brokdorf mit
ca. 8000 Menschen.
13./14. November 1976: 40000 Menschen versuchen erneut
die Besetzung des Bauplatzes in Brokdorf. Es kommt zu einer
brutalen Räumung und Auseinandersetzungen mit der
Polizei mit 1000 zum Teil lebensgefährlich verletzte DemonstrantenInnen.
4. April 1977: Norbert Kröcher und Manfred Adomeit werden
an die BRD ausgeliefert. Am 31.3./1.4.1977 waren sie
gemeinsam mit anderen in Stockholm verhaftet worden. 7. April 1977: In Karlsruhe werden auf den Dienstwagen von
Generalbundesanwalt Buback von einem Motorrad aus
Schüsse abgegeben (RAF-Kommando »Ulrike Meinhof«).
Generalbundesanwalt Siegfried Buback, sein Fahrer und ein
Polizist werden dabei getötet.
2. April bis Mai 1977: Hungerstreik der Gefangenen aus der
RAF, bei dem diese einen neuen politischen Kurs festlegen:
Die Anerkennung des Kriegsgefangenen-Status nach den
Genfer Konventionen und die Zusammenlegung der Gefangenen.
28. April 1977: Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Gudrun
Ensslin werden zu lebenslanger Haft verurteilt.
3. Mai 1977: Bei einer Schießerei mit der Polizei wird Günter
Sonnenberg lebensgefährlich verletzt und zusammen mit
Verena Becker verhaftet.
4. Mai 1977: In einer Göttinger Studentenzeitung wird unter
der Überschrift »Buback – ein Nachruf« ein Artikel zu dem
Anschlag auf den damaligen Generalbundesanwalt veröffentlicht.
Der Beitrag formulierte eine deutliche Kritik an der
Stadtguerilla-Politik, aufgrund der Aussage der »klammheimlichen
Freude über das Ableben Bubacks« setzt die
Staatsmacht in den folgenden Wochen jedoch ihren Repressionsapparat
ein. Aus Solidarität mit den verfolgten Redakteuren
der Zeitschrift und dem ASTA wurde daraufhin der
Nachruf in vielen Alternativ-, Studenten- und Schülerzeitungen
nachgedruckt. Auch gegen diese Publikationen kommt
es wieder zu einer Welle von Ermittlungsverfahren. Gegen
die Einschränkung der »Pressefreiheit« unterschreiben daraufhin
177 Hochschullehrer im September 1977 eine Solidaritätserklärung.
Nach eingeleiteten Disziplinarverfahren ziehen
die meisten jedoch ihre Unterschrift zurück.
30. Juli 1977: Der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank
Jürgen Ponto wird in seinem Haus in Oberursel erschossen 5. September 1977: Das RAF-Kommando »Siegfried Hausner
« entführt in Köln Hanns-Martin Schleyer und erschießt
dabei Schleyers Fahrer und drei Polizeibeamte. Das Kommando
fordert die Freilassung von elf RAF-Gefangenen.
7. September 1977: Über 72 Gefangene wird eine »Kontaktsperre
« verhängt, die erst am 29.9.77 durch ein Gesetz
legalisiert wird. Das »Kontaktsperregesetz« wird vom Bundestag
innerhalb von drei Tagen verabschiedet. Im Zusammenhang
mit der Entführung von Schleyer wurde dies vom
damaligen Bundeskanzler Schmidt als »unabweisbar notwendig
« bezeichnet. Es beschränkt bzw. verbietet den Besuch
von Verteidigern bei ihren Mandanten, den Kontakt der Gefangenen
untereinander sowie den Kontakt nach draußen.
24. September 1977: Internationale Anti-AKW-Demonstration
in Kalkar, an der 50000 Menschen teilnehmen.
13. Oktober–18. Oktober 1977: Ein palästinensisches Kommando
entführt die Lufthansamaschine »Landshut« mit
Mallorca-Urlaubern in die somalische Hauptstadt Mogadischu.
Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe, Verena
Becker, Werner Hoppe, Karl-Heinz Dellwo, Hanna
Krabbe, Bernd Rössner, Ingrid Schubert, Irmgard Möller
sollen freigelassen werden und mit 100000 DM in ein Land
ihrer Wahl ausreisen. Während der Zwischenlandung in
Aden wird der Kapitän der Landshut erschossen, um das
Auftanken der Maschine zu erzwingen. Die GSG 9 stürmt
die Maschine in Mogadischu; dabei werden drei der Flugzeugentführer
erschossen.
18. Oktober 1977: Tod von Gudrun Ensslin, Andreas Baader
und Jan-Carl Raspe in Stammheim.
19. Oktober 1977: Hanns-Martin Schleyer wird tot im Kofferraum
eines PKWs in Mühlhausen entdeckt.
Oktober 1977: In einer Kampagne gegen die Herstellung von
Raubdrucken und gegen mehrere Spontiblätter, vor allem
gegen das Berliner »Infobug« gibt es erstmalig Prozesse und Festnahmen gegen Hersteller, Drucker und Verteiler linker
Schriften. Später folgt die Festnahme und der Prozeß gegen
die »agit-drucker«.
12. November 1977: Ingrid Schubert wird erhängt in ihrer
Zelle in Stadelheim aufgefunden.
13. November 1977: Massendemonstration gegen das AKW
in Brokdorf.
Januar 1978: In Berlin findet der TUNIX-Kongreß der
Sponti-Linken statt.
6. Februar 1978: »Celler-Loch«. Um Agenten eine glaubwürdige
Legende zu verschaffen, sprengt der Verfassungsschutz
mit Hilfe der GSG 9 ein Loch in die Mauer der
Strafanstalt Celle. Vorgetäuscht wird damit ein Befreiungsversuch
von Sigurd Debus, der daraufhin isoliert wird.
10. April 1978: In Berlin beginnt vor dem Kammergericht
der »Lorenz-Drenkmann-Prozeß« gegen Ronald Fritzsch,
Gerald Klöpper, Till Meyer, Ralf Reinders, Fritz Teufel und
Andreas Vogel. Der Beginn des Prozesses wird von Auseinandersetzungen
über die Zwangsverteidiger bestimmt. Daraufhin
übernehmen die Revolutionären Zellen die Verantwortung
für zwei Aktionen gegen die Zwangsverteidiger:
Einem wird ins Bein geschossen und ein zweiter findet eine
Bombe unterm Auto.
27. Mai 1978: Till Meyer wird von zwei Genossinnen vom
»Kommando Nabil Harb« aus dem Knast (Moabit) befreit.
Die ebenfalls beabsichtigte Befreiung von Andreas Vogel
scheitert.
1. Juni 1978: Die Trennscheibe für Rechtsanwälte und Besucher
im Knast wird per Gesetz eingeführt.
5. Juni 1978: Klaus Viehmann wird in Berlin verhaftet.
21. Juni 1978: Till Meyer wird zusammen mit Gabriele
Rollnick, Gudrun Stürmer und Angelika Goder in Bulgarien
festgenommen und an die BRD ausgeliefert. 31. April 1979: 100000 demonstrieren gegen die Wiederaufbereitungsanlage
in Gorleben.
2. Juni 1980: Ein Teil der Bewegung 2. Juni erklärt seine
Auflösung und den Übertritt zur RAF.
13. Oktober 1980: Urteilsverkündung im Lorenz-Drenkmann-
Prozeß: Je 15 Jahre für Ralf Reinders und Till Meyer,
13 Jahre für Ronald Fritzsch, 11 Jahre für Gerald Klöpper,
10 Jahre für Andreas Vogel und 5 Jahre für Fritz Teufel.
Fritz Teufel wird nach der Urteilsverkündung aus der
Haft entlassen. Er ist heute Fahrrad-Kurier und Pedalologe.
Gerald Klöpper wird 1982 vorzeitig entlassen. Nach einem
kurzen Intermezzo bei der Alternativen Liste läßt er es
sich heute als Unternehmer gutgehen.
Andreas Vogel saß nach seinem Schwenk zur RAF die
Reststrafe bis 1986 im Celler Trakt ab.
Till Meyer wurde brav und distanzierte sich von allem
und wird 1986 ebenfalls vorzeitig entlassen. Bis zu dessen
Auflösung findet er bei der Stasi der DDR eine neue Heimat.
Ronald Fritzsch wird am 20. September 1989 und Ralf
Reinders am 14. September 1990 aus der Haftanstalt Berlin-
Moabit entlassen.